Landshut, 27. März 2007 (ok) Am kommenden Palmsonntag lebt in der niederbayerischen Regierungshauptstadt Landshut ein altes, sehr selten gewordenes Brauchtum wieder auf. Nach rund 200 Jahren zieht in der Palmprozession, die nach der Segnung der Palmzweige in der barocken Jesuitenkirche St. Ignatius zum nahe gelegenen gotischen St. Martinsmünster mit Deutschlands höchstem Backsteinturm führt, wieder ein „Palmesel“ mit. Dies teilte der Landshuter Stiftspropst, Monsignore Bernhard Schömann, am Dienstag, 27. März, in Landshut mit. Die fast lebensgroße hölzerne Christusfigur, die auf einem geschnitzten Esel reitet, wurde in Anlehnung an überlieferte altbayerische Darstellungen von der Landshuter Bildhauerin Ursula Mandel geschaffen.
In den Landshuter Städtischen Museen wird auch ein aus dem Mittelalter stammender „Palmesel“ gezeigt, eine der größten Darstellungen dieser Art und zugleich eines der Hauptexponate der Städtischen Museen. Niemand wisse genau, wie der alte Landshuter „Palmesel“ wahrscheinlich am Anfang des 20. Jahrhunderts aus dem Besitz der Pfarrei St. Martin ins Museum gekommen sei, sagt Pfarrer Schömann. Nun aber habe er einen schönen neuen Nachfolger bekommen. Wenn sich die Gläubigen am Palmsonntag, 1. April, in der Jesuitenkirche in der Innenstadt zur Segnung der mitgebrachten Palmzweige versammeln (Beginn: 10.00 Uhr) steht der neue „Palmesel“ vor dem Kirchenportal. Er wird dann in der feierlichen liturgischen Prozession zum Münster mitgezogen, wo er aufgestellt wird.
Das Brauchtum des sogenannten „Palmesels“ am Palmsonntag war im Mittelalter sehr beliebt. Besonders die Geschehnisse der Passion wurden bildhaft dargestellt, so auch der Einzug Jesu in Jerusalem vor seinem Leiden. Solche Prozessionen, die in der Barockzeit ihre Blüte erlebten, entarteten manchmal zu reinen Volksbelustigungen. Dies war zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein Anlass für die weltliche, oft auch für die geistliche Obrigkeit, dieses Brauchtum zu verbieten. Das Verbot ereilte auch die Stadt Landshut, weil Mesner und Ministranten von St. Martin den ganzen Palmsonntag über mit dem Esel durch die Straßen der Stadt zogen. Am Schluss, so ein alter Bericht, seien „außer dem Heiland und Esel“ niemand mehr nüchtern gewesen. Dieser dem Charakter des Palmsonntags sicher nicht entsprechende Teil des Brauchtums werde natürlich nicht wieder belebt, sagt Pfarrer Schömann augenzwinkernd. (wr)
Pressekontakte: Msgr. Bernhard Schömann, Stiftspropst von St. Martin, Telefon 0871/9221780. Die Kontakte zur Bildhauerin Ursula Mandel: 0176/65673861. |